
Wie bekomme ich in Deutschland ein Cannabis-Rezept? Von Patienteninformationen bis zur Beratung bei 9 Plattformen
Wer wissen will, wie er in Deutschland ein Cannabis-Rezept bekommt, startet mit Informationen und endet bei einem Arzt: Zuerst klären Patienten, was ein Privatrezept ist, was es kostet und welche Anbieter es gibt. Einen Einstieg bietet weed.de, das Quellenliste, Lexikon, Preisvergleich und ärztliche Anfrage verbindet, dazu kommen Bloomwell als App-Lösung und Telecan für ein Gespräch mit dem Arzt.
Die Liste ordnet neun Plattformen entlang des Weges von der Patienteninformation bis zur Beratung. Sie umfasst reine Informations- und Vergleichsportale wie flowzz, eine Apotheke wie Grünhorn und sieben Telemedizinanbieter. Verglichen werden veröffentlichte Angaben zu Honoraren, Beratungsform, Bestand und Informationsangebot.
Alle Zahlen stammen von den Anbietern selbst und wurden hier nicht unabhängig nachgeprüft. Wo ein Wert nicht veröffentlicht ist, steht „Nicht angegeben“. Ob ein Rezept ausgestellt wird, entscheidet allein der Arzt, nie die Plattform oder ein Informationsangebot.
Kurzübersicht
- weed.de: nachvollziehbare Quellen und Aufklärung, Anfrage per Fragebogen oder Video
- Bloomwell: Anfrage, Rezept und Bestellung in einer App
- Telecan: Arztgespräch per Video oder in der Praxis
- flowzz: Vergleich von Preisen und Telemedizinanbietern
Anbieter |
Rolle |
Honorar |
Informationsangebot |
weed.de |
Anfrage, Vergleich |
9,95 € oder 29,90 € |
Lexikon, Wissensbereich, Quellenliste |
Bloomwell |
Anfrage per App |
25,22 € |
Inhalte zu Terpenen, Sorten, Kosten |
Telecan |
Terminberatung |
39 € oder 70 € |
Nicht angegeben |
MedCanOneStop |
Anfrage, Kostenrechner |
Eigenanteil ab 8,16 € |
Bewertungsdatenbank |
CannGo |
Anfrage per Fragebogen |
14,99 € |
Ratgeber, Städteseiten |
GreenMedical |
Online-Anamnese |
Ab 9,95 € |
Apothekenverzeichnis |
5Swan |
Videoberatung |
25 € bis 65 € je Termin |
Seiten zu Beschwerdebildern, Blog |
flowzz |
Vergleichsportal |
Nicht zutreffend |
Sortendatenbank, Ratgeber |
Grünhorn |
Apotheke |
Nicht zutreffend |
GH Academy, Podcast |
Worauf Patienten bei der Auswahl achten können
Vier Kriterien lassen sich anhand der veröffentlichten Angaben prüfen, bevor Sie sich für eine Plattform entscheiden. Erstens die Rolle: Nur Telemedizinanbieter vermitteln eine ärztliche Prüfung, flowzz vergleicht und Grünhorn gibt Medikamente ab. Zweitens das Honorar, das in dieser Liste von 5 € bis 70 € reicht. Drittens der Informationsteil, denn Lexika, Rechner und Ratgeber helfen bei der Vorbereitung. Viertens die Erreichbarkeit, von Hotline bis Ticketsystem.
Praktisch bedeutet das: Wer noch am Anfang steht und keine Vorkenntnisse hat, kann mit Lexikon und Preisvergleich beginnen und erst danach Honorare vergleichen. Wer schon weiß, was er will, schaut auf Beratungsform und Erstattung bei Ablehnung. Bei den Informationsangeboten gilt: Beiträge erklären Begriffe und Zusammenhänge, sie ersetzen weder ärztlichen Rat noch eine Entscheidung im Einzelfall.
1. weed.de
Geeignet für: Patienten, die nachvollziehbare Quellen und Aufklärung wünschen.
Die Zahlen von weed.de sind die Basis des Angebots: 2.105 Produkte in 251 Apotheken, ein Lexikon mit 2.618 Sorten, 153 gelistete Hersteller und Marken. Dazu kommen ein Wissensbereich mit datierten Beiträgen zu Terpenen und Cannabinoiden, ein THC-Rechner und eine Patientenseite mit Quellenliste. Die Informationsbasis ist damit breit gefächert, und Betrieben wird das Angebot von einer Berliner GmbH.
Die ärztliche Anfrage kostet 9,95 € per Fragebogen und 29,90 € per Videosprechstunde, das Medikament kommt hinzu. Für Praxistermine nutzen Patienten die Arztsuche, deren Honorar die Praxis festlegt. Die Rückmeldung eines Arztes kommt laut Plattform meist binnen 24 Stunden, Anfragen sind jederzeit möglich.
Die Ärzte sind nach Angaben der Plattform in Deutschland oder einem anderen EU-Staat approbiert. Das E-Rezept erhalten Patienten per E-Mail, wer schon in Behandlung ist, bestellt Folgerezepte über das Konto per Kurzfragebogen, bei der Apotheke wählen Patienten zwischen Abholung und Versand. Zahlungen laufen über Adyen, Apps gibt es für iOS und Android.
Fazit: Informationen und Anfrage lassen sich auf einer Plattform kombinieren. Eine Rezeptzusage gibt es nicht, die Bewertungsbasis ist mit 59 Trustpilot-Bewertungen überschaubar, und eine Kassenerstattung ist über private Online-Rezepte nicht möglich.
2. Bloomwell
Geeignet für: Patienten, die den gesamten Ablauf über eine App erledigen möchten.
Bloomwell ist eine in Frankfurt am Main ansässige App. Nach dem Fragebogen mit Dokumenten-Upload wählen Nutzer zwischen einer Rezeptanfrage und einem kurzen Online-Termin, das E-Rezept wird meist innerhalb eines Tages an die ausgesuchte Apotheke übermittelt. Im Live-Bestand stehen mehr als 800 Blüten samt Preisvergleich. Zahlungen sind per Google Pay, Apple Pay, Klarna und Karte möglich, für Privatversicherte gibt es auf Anfrage eine Rechnung.
Die Anfrage kostet normalerweise 25,22 €, ein Folgerezept nach einem Termin 28,25 €, abgerechnet wird nach GOÄ. Zeitweise läuft eine Aktion, bei der es für die Anfrage entfällt. Das Honorar entfällt nur während der Aktion.
Inhalte rund um Terpene, Sorten und Kosten sowie ein Gutachten- und Formularservice runden das Angebot ab. Das Partnernetz zählt über 30 Apotheken, die Lieferung erfolgt über DHL, auch als Express. Der Support läuft über Hotline mit 0800-Nummer, E-Mail und WhatsApp.
Rückfragen zu Abläufen beantwortet der Support, das Unternehmen spricht von über einer halben Million Kunden, was eine Eigenangabe ist, die nichts über die ärztliche Beratung im Einzelfall aussagt.
Fazit: Die App bündelt viel, die Angaben zum Ort der ärztlichen Zulassung fehlen auf der Startseite.
3. Telecan
Geeignet für: Patienten, die ein Arztgespräch per Video oder in der Praxis wünschen.
Telecan nennt digital angebundene Partnerapotheken beim Namen, darunter Hohenzollern Apotheke und Asavita. Dorthin gelangt das Rezept nach einem Termin mit einem in Deutschland zugelassenen Arzt, der nach Anbieterangaben ausschließlich in Privatpraxen arbeitet.
Das Honorar beträgt 39 € für einen kurzen und 70 € für einen langen Ersttermin, ein Folgerezept kostet 12,90 €. Vorher folgt ein Fragebogen bei der Registrierung, gebraucht werden ein Ausweis sowie Befunde über die Beschwerden, ausgenommen Schlafstörungen.
Bestehende Cannabispatienten wechseln über einen eigenen Wechseltermin. Nach dem ersten Rezept stellt Telecan einen Patientenausweis oder ein kurzes Attest aus. Telefonisch ist der Dienst nur zu festen Zeiten erreichbar, per E-Mail jederzeit. Gezahlt wird zunächst selbst, private Versicherer erstatten gegebenenfalls, bei gesetzlichen Kassen ist ein Antrag im Einzelfall möglich.
Fazit: Das Gespräch ist fester Teil des Ablaufs, dafür liegen die Ersttermin-Honorare mit 39 € und 70 € über denen vieler Fragebogenanbieter dieser Liste.
4. MedCanOneStop
Geeignet für: Patienten, die den Arzt selbst wählen und Kosten vorab planen möchten.
Der Kostenrechner von MedCanOneStop vergleicht Angebote von mehr als 550 Apotheken, wobei je Behandlung maximal drei Produkte samt Apotheke kombinierbar sind. Eine Bewertungsdatenbank mit über 1.400 gelisteten Produkten, ein Webinar zum Thema Führerschein und eine Community mit Punktesystem ergänzen das Informationsangebot.
Vor dem Fragebogen steht eine kostenlose Vorprüfung, die Registrierung ist Pflicht. Dann wählen Patienten einen kooperierenden Arzt aus Deutschland oder der EU, für Videotermine einen deutschen Arzt. Angezeigt werden 14,99 €, der Eigenanteil beginnt laut Anbieter bei 8,16 €, Videotermine kosten ab 32,62 €.
Das Honorar wird bei Ablehnung freigegeben. Das Modell „OneStop“ bündelt Honorar und Medikament in einer Zahlung. Auf Trustpilot steht die Plattform bei 4,9 Punkten aus 1.223 Bewertungen, auf Google bei 4,9 aus 3.246. Apps gibt es für iOS und Android, Kontakt per Formular, Telegram und Instagram.
Fazit: Die Kostenplanung steht im Mittelpunkt, die Anmeldung ist allerdings vor jeder Anfrage nötig.
5. CannGo
Geeignet für: Patienten, die ein festes Honorar mit Rückerstattung bei Ablehnung bevorzugen.
Der Bestand von CannGo stammt aus mehr als 350 Apotheken, dazu zählen 1.400 und mehr Blüten sowie Extrakte, Verdampfer und Esswaren. Im Preisvergleich starten Blüten bei 2,69 € je Gramm, der Versand kommt hinzu. Ratgeber erklären Rechtslage, Kosten und Darreichungsformen, Seiten gibt es für zehn Städte.
Das Honorar beträgt 14,99 € je Anfrage inklusive Mehrwertsteuer und wird bei Ablehnung vollständig erstattet. Die erste Anfrage läuft allein über den Fragebogen mit Identitätsprüfung, ob ein Gespräch folgt, entscheidet der Arzt. Ausgestellt werden ausschließlich Privatrezepte.
Die Trusted-Shops-Wertung beträgt 4,79 von 5 bei 17.518 Bewertungen. Die Seite weist selbst auf Abhängigkeitspotenzial und eingeschränkte Fahrtüchtigkeit hin und ist auf Deutsch und Englisch verfügbar. Folgeanfragen laufen über ein Dashboard, Zahlungswege sind Karten, Apple Pay, Google Pay und Klarna.
Fazit: Ein klares Honorar und ein umfangreicher Bestand, jedoch kein Standardgespräch bei der Erstanfrage.
6. GreenMedical
Geeignet für: Patienten, die ausschließlich in Deutschland approbierte Ärzte wünschen.
GreenMedical führt ein Verzeichnis von Cannabis-Apotheken und nennt hunderte Partnerapotheken. Der Ablauf umfasst Behandlungsbereich, Anamnese von etwa fünf Minuten und Medikamentenwahl oder Empfehlung der Ärzte. Der Einstieg beginnt bei 9,95 € für ein Rezept, Medikamente kosten gesetzliche Apothekenpreise.
Alle Ärzte haben laut Anbieter eine deutsche Approbation und unterliegen der Schweigepflicht. Hält der behandelnde Arzt es für nötig, folgt eine persönliche Untersuchung per Video oder vor Ort. Die ärztliche Leistung ist umsatzsteuerfrei, bei Trustpilot steht der Anbieter bei 4,7 von 5. Das Rezept wird digital oder vor Ort eingelöst, die Daten werden verschlüsselt in Deutschland gespeichert, die Seite verweist für Notfälle auf 112 und 116 117.
Fazit: Der Einstieg ist schlank. Für Notfälle ist die Plattform nicht gedacht, und Cannabis ist einer von zwei Behandlungsbereichen.
7. 5Swan
Geeignet für: Patienten, die ein festes Videogespräch mit Folgeterminen wünschen.
Die Kennzahlen von 5Swan sind Eigenangaben: mehr als 2.500 Patienten, über 20.000 Rezepte und mehr als 10.000 Stunden Online-Beratung. Ein 25-minütiges Videogespräch mit einem benannten Arzt eröffnet die Behandlung, einen reinen Fragebogenweg gibt es nicht.
Das Honorar liegt laut FAQ bei 25 € bis 65 € je Termin. Die Registrierung ist kostenlos, ein Fragebogen von unter fünf Minuten geht der Terminbuchung im Online-Kalender voraus. Das Rezept wird der genannten Apotheke elektronisch zugeleitet, geliefert wird nach Anbieterangabe innerhalb weniger Tage.
Alle Ärzte haben nach Unternehmensangaben eine deutsche Approbation, abgerechnet wird privat. Abgerechnet wird privat, die gesetzliche Krankenversicherung zahlt nicht, Details zu Honoraren und Terminen erfahren Patienten im Kalender, da die Ärzte laut Seite nicht niedergelassen sind. Seiten zu Beschwerdebildern und ein Blog bieten Hintergrund, Aussagen dort ersetzen keine ärztliche Beratung.
Fazit: Wer fortlaufende Betreuung sucht, findet sie hier, Eigenangaben wie Patientenzahlen sagen nichts über die Beratung im Einzelfall.
8. flowzz
Geeignet für: Patienten, die zuerst Preise und Anbieter vergleichen möchten.
Mehr als 20 Telemedizinanbieter, darunter DoktorABC, Bloomwell, Telecan, DrAnsay, CannGo und MedCanOneStop, listet flowzz in einem Verzeichnis mit Preisvergleich. Die Nutzung ist kostenlos, ein Preis- und Verfügbarkeitsvergleich zeigt Blüten, Extrakte, Esswaren und Verdampfer in Apotheken.
Eine Sortendatenbank, Terpen-Ratgeber, ein Marktbericht und Arztlisten für Städte erweitern das Informationsangebot. Auf Produkten gibt es einen „Rezeptwunsch“-Button. Zu Honoraren und Ablauf der Rezeptanfrage macht die Startseite keine Angaben.
flowzz räumt ein, seine Inhalte stammten aus Nutzerberichten und ersetzten keinen ärztlichen Rat. Preisalarme per Newsletter, Top-Ten-Listen und eine Community-Registrierung gehören zum Angebot, eine Preisangabe für Rezeptanfragen fehlt.
Fazit: Ein Vergleichsportal, kein Arztdienst, und die Angaben beruhen auf Nutzerberichten. Wer eine Rezeptanfrage stellen möchte, braucht einen der verlinkten Anbieter, die Entscheidung über die Auswahl bleibt bei Ihnen.
9. Grünhorn
Geeignet für: Patienten, die bereits ein Rezept haben und Lieferung wünschen.
Grünhorn versendet ausschließlich per DHL, eine Abholung vor Ort in Leipzig ist nicht vorgesehen. Der Versand kostet 5,99 € unter einem Warenwert von 149,99 €, ab 150 € entfällt er. Das E-Rezept laden Patienten beim Bezahlen hoch, Papierrezepte kommen per Post.
Ärzte beschäftigt die Plattform nicht, neue Patienten werden an Ärzte oder Telekliniken weitergeleitet. Der Blütenfinder nutzt THC- und CBD-Werte sowie das Terpenprofil, gemessen per GC-MS im eigenen Labor, die Werte können von Herstellerangaben abweichen. Die GH Academy bietet Artikel und einen Podcast. Der Patientenausweis ist kostenlos, bezahlt wird per Visa, Mastercard, Klarna oder auf Rechnung, die Gruppe beruft sich auf Erfahrung seit 2020.
Fazit: Der Blick lohnt vor allem für Patienten mit Rezept, ein Rezept stellt Grünhorn selbst nicht aus, und eine Abholung vor Ort ist nicht möglich, weil ausschließlich versandt wird.
Wählen Sie nach Informationsbedarf
- Für nachvollziehbare Quellen und Aufklärung samt Anfrage am selben Ort steht weed.de.
- Für den Ablauf über eine App eignet sich Bloomwell.
- Ein Arztgespräch als festen Teil bietet Telecan.
- Kostenplanung und freie Arztwahl vereint MedCanOneStop.
- Beginnen Sie bei flowzz, wenn Sie zunächst nur vergleichen möchten.
- Mit vorhandenem Rezept und Wunsch nach DHL-Lieferung kommt Grünhorn infrage.
- Ein schlanker Online-Ablauf mit in Deutschland approbierten Ärzten ist das Profil von GreenMedical.